Kultur ist kein Hintergrund. Sie ist das Ergebnis von Führung
Diese Blogreihe beleuchtet, wie Führung Gesundheit und Leistungsfähigkeit im Arbeitsalltag prägt. In den ersten beiden Beiträgen ging es darum, Frühwarnzeichen wahrzunehmen, Klarheit und Struktur zu schaffen sowie Leistung über Rhythmus, Pausen und Prioritäten dauerhaft möglich zu machen.
Wer diese Schritte noch einmal vertiefen möchte, findet hier die vorherigen Beiträge:
Frühwarnzeichen erkennen und Klarheit schaffen
Gesunde High-Performance durch Rhythmus, Pausen und Prioritäten
Im diesem dritten Beitrag rücken wir den Rahmen in den Fokus, in dem all das Wirkung entfaltet: die (Führungs)-Kultur. Kultur entsteht nicht durch Leitbilder oder Programme. Sie entsteht im Führungsalltag – besonders dann, wenn es schwierig wird. Dieser Beitrag zeigt, warum Gesundheit und Leistungsfähigkeit weniger von Maßnahmen abhängen als von Haltung, Verhalten und Führungskultur – und was das ganz konkret für den Alltag von Führungskräften bedeutet. Denn ob Menschen leistungsfähig bleiben, sich binden, offen sprechen und gesund arbeiten können, entscheidet sich weniger an einzelnen Maßnahmen – sondern daran, wie Führung im Alltag erlebt wird.
Kultur entsteht jeden Tag – durch Führung, nicht durch Programme
Kultur ist nichts Abstraktes. Sie entsteht nicht in Leitbildern, Workshops oder Strategiepapieren. Kultur zeigt sich im Alltag – besonders dann, wenn es schwierig wird.
Zum Beispiel:
✳️ wenn Leistung nachlässt
✳️ wenn Belastung steigt
✳️ wenn Konflikte offen auftreten
✳️ wenn Mitarbeitende krank werden oder nach einer Auszeit zurückkehren
In genau diesen Momenten wird sichtbar, wie geführt wird. Ob Dinge angesprochen werden oder unausgesprochen bleiben. Ob Sicherheit entsteht oder Rückzug. Ob Verantwortung geteilt wird oder Druck wächst.
Kultur ist damit das Ergebnis vieler kleiner Führungsentscheidungen:
- Wie reagiere ich auf Auffälligkeiten?
- Wie spreche ich Belastung an?
- Wie gehe ich mit Fehlern um?
- Was signalisiere ich durch mein Verhalten – bewusst oder unbewusst?
Eine positive Botschaft aus Studien – und ihre kulturelle Bedeutung
Studien (Gallup) zeigen eine klare und zugleich ermutigende Botschaft:
Dort, wo Mitarbeitende emotional an ihren Arbeitgeber gebunden sind, sind sie seltener krankgeschrieben – und kommen auch seltener krank zur Arbeit. Diese emotionale Bindung ist kein Zufallsprodukt. Sie ist Ausdruck einer gelebten Kultur – und diese Kultur entsteht durch Führung.
- Emotionale Bindung wächst dort, wo Mitarbeitende erleben:
- Wertschätzung statt reiner Ergebnisorientierung
- faire und transparente Entscheidungen
- klare Kommunikation
- echtes Interesse am Menschen hinter der Rolle
Führungskräfte können Krankheiten nicht verhindern. Eine Grippe bleibt eine Grippe.
Aber sie beeinflussen entscheidend,
- ob Belastungen früh sichtbar werden
- ob Menschen sich trauen, Überforderung oder Schmerzen anzusprechen
- ob gemeinsam nach Lösungen gesucht wird, bevor Situationen eskalieren
Das ist kein Soft-Faktor. Das ist kulturelle Führungsarbeit mit direkter Wirkung auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit.
Gesunde Führung formt Kultur über Haltung
Gesunde Führung beginnt nicht bei Tools oder Methoden. Sie beginnt bei einer inneren Haltung. Bei der Überzeugung, dass Menschen langfristig nur dann leistungsfähig bleiben, wenn sie sich sicher, respektiert und ernst genommen fühlen.
Diese Haltung prägt Kultur unmittelbar:
- Wird Leistung ausschließlich eingefordert – oder auch reflektiert?
- Wird Krankheit tabuisiert – oder als Teil des Lebens eingeordnet?
- Wird Überlastung als persönliches Defizit gesehen – oder als wichtiges Signal?
Führen heißt in diesem Verständnis nicht nur steuern.
Es heißt auch:
- Verantwortung übertragen
- Entwicklung ermöglichen
- Lernen zulassen, auch aus Fehlern
So wird Kultur nicht beschrieben, sondern gelebt.
Führung wirkt – messbar, kulturell und über Abteilungen hinweg
Studien zeigen deutlich: Führungskräfte haben einen entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit ihrer Teams. Dabei geht es nicht um Motivation im engeren Sinne, sondern um die alltägliche Wirkung von Führungsverhalten auf Kultur, Belastung und Sicherheit.
Eine Studie der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg (Universität der Bundeswehr) macht diesen Zusammenhang besonders anschaulich. Sie zeigte einen direkten Zusammenhang zwischen der jeweiligen Führungskraft und der Fehlzeitenrate im Team. Wechselte eine Führungskraft in eine andere Position, übertrug sich das Fehlzeitenmuster mit ihr: In der neuen Abteilung traten ähnlich hohe Fehlzeitenraten auf wie zuvor.
Das ist mehr als ein statistischer Effekt. Es zeigt, dass Führung nicht nur innerhalb eines Teams wirkt, sondern kulturelle Muster transportiert.
Quelle:
Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg: Studien zum Zusammenhang von Führung, Arbeitsklima und Fehlzeiten (u. a. Untersuchungen zur Übertragbarkeit von Fehlzeitenmustern bei Führungswechseln)
Was diese Studie für Führung konkret bedeutet
Die Ergebnisse lassen sich nicht auf „gute“ oder „schlechte“ Führung reduzieren.
Sie machen vielmehr sichtbar, wie stark Führung den Arbeitsalltag prägt:
- wie offen über Belastung gesprochen wird
- ob Unsicherheiten früh sichtbar werden
- wie mit Krankheit, Fehlern oder Leistungsschwankungen umgegangen wird
- ob Mitarbeitende sich trauen, rechtzeitig Signale zu senden
Führung wirkt dabei oft leise. Nicht über große Entscheidungen, sondern über Tonfall, Reaktionsgeschwindigkeit, Nachfragen oder Schweigen. Genau daraus entsteht Kultur.
Der Zusammenhang zu psychologischer Sicherheit
Psychologische Sicherheit ist der kulturelle Boden, auf dem diese Effekte wirken. Dort, wo Mitarbeitende erleben, dass Belastung angesprochen werden darf, ohne negative Folgen befürchten zu müssen, verändern sich Fehlzeiten und Leistungsfähigkeit langfristig.
Fehlt diese Sicherheit, wird Belastung häufig ausgehalten statt thematisiert. Krankheit wird hinausgezögert oder verschleppt, Rückkehr nach Ausfall bleibt unsicher. Themen kommen erst dann auf den Tisch, wenn der Druck bereits hoch ist.
Das macht deutlich, Psychologische Sicherheit ist Kultur – und Führungsaufgabe
Psychologische Sicherheit ist kein Wohlfühlthema. Sie ist eine kulturelle Voraussetzung für gesunde, stabile Leistung.
Sie beschreibt ein Arbeitsklima, in dem Mitarbeitende offen sprechen können:
- über Fehler
- über Unsicherheiten
- über Überforderung
- über kritische Fragen
ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen.
Diese Sicherheit entsteht nicht durch Appelle oder Werteplakate. Sie entsteht durch wiederholtes Führungsverhalten: durch Zuhören, Nachfragen, Ernstnehmen und Dranbleiben.
Rückkehrfähigkeit als kultureller Prüfstein
Besonders sichtbar wird dieser Zusammenhang bei der Rückkehr nach Krankheit. Rückkehrfähigkeit ist kein formaler Prozess, sondern Ausdruck der Führungskultur.
Nach Krankheit.
Nach Überlastung.
Nach schwierigen Phasen.
In einer Kultur mit psychologischer Sicherheit sind Rückkehrgespräche ruhig, klar und orientierend. Erwartungen werden benannt, Belastungsgrenzen geklärt und Unterstützung angeboten, ohne zu dramatisieren. In Kulturen ohne diese Sicherheit entstehen dagegen Unsicherheit und zusätzlicher Druck – oft unausgesprochen.
Rückkehrfähigkeit ist kein HR-Instrument. Sie ist ein kulturelles Signal.
Schon wenige Worte machen einen Unterschied:
„Schön, dass Sie wieder da sind. Was brauchen Sie in dieser Woche, damit der Wiedereinstieg gut gelingt – und worauf sollen wir gemeinsam achten?“
Diese Frage sendet mehrere klare Botschaften:
✅ Leistung ist wichtig
✅ Gesundheit ist wichtig
✅ beides gehört zusammen
Dort, wo solche Gespräche selbstverständlich sind, entsteht Sicherheit. Erwartungen werden geklärt. Belastungsgrenzen benannt. Unsicherheit verliert an Einfluss.
Wo sie fehlen, entsteht Distanz – oft ohne dass es jemand offen benennt.
Gesunde Führung prägt Kultur – und wirkt nachhaltig
Gesunde Führung, die sich durch klare Kommunikation, Empathie, Aufmerksamkeit für Gesundheit und Entwicklung auszeichnet, ist deshalb unverzichtbar. Sie schafft ein Arbeitsumfeld, in dem Menschen sich sicher fühlen, Belastung früh sichtbar wird und Verantwortung geteilt werden kann.
Das wirkt sich direkt auf Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit aus – und mittelbar auf Produktivität, Fehlzeiten und Kosten. Führung trägt damit Verantwortung für den kulturellen Rahmen, in dem Gesundheit und Leistung überhaupt möglich werden.
Woran Führung erkennt, welche Kultur sie wirklich prägt
Fehlende psychologische Sicherheit zeigt sich oft erst spät:
- Probleme kommen erst auf den Tisch, wenn es bereits eng wird
- Führungskräfte müssen Informationen aktiv einfordern
- Rückkehr nach Krankheit verläuft angespannt, vorsichtig, distanziert
Nach außen wirken solche Teams häufig leistungsfähig. Intern steigt jedoch der Koordinationsaufwand. Mehr Nachsteuerung. Mehr Druck.
Dort, wo psychologische Sicherheit vorhanden ist, zeigt sich ein anderes Bild:
- Themen werden früh angesprochen
- Rückfragen kommen rechtzeitig
- Fehler werden offen benannt
- Rückkehrphasen verlaufen ruhig und klar
Führungskräfte erleben mehr Ruhe und Planbarkeit – nicht weil weniger passiert, sondern weil mehr sichtbar wird.
Kultur lässt sich nicht verordnen – aber führen
Kultur ist kein Projekt mit Start- und Enddatum. Sie lässt sich nicht per Maßnahme „einführen“. Sie entsteht über Zeit – durch konsistentes Führungsverhalten. Durch das, was Führungskräfte zulassen, ansprechen und vorleben.
Deshalb gibt es hier keine schnellen Praxistipps. Aber es gibt einen klaren Hebel: Führung. Dort, wo Führung hinschaut, Verantwortung übernimmt und Haltung zeigt, entsteht eine Kultur, die Gesundheit und Leistung verbindet.
Wie JS CrewConsulting Führung und Kultur wirksam verbindet
Seit vielen Jahren begleiten wir Unternehmen dabei, Führung bewusst wirksam zu gestalten – mit dem klaren Fokus, Kultur über Führung zu entwickeln, nicht über Schlagworte.
Wir arbeiten nicht an Kultur als abstraktem Ziel. Wir arbeiten an Führung als Hebel.
Unser gemeinsamer Weg:
- Wir machen sichtbar, wie Führung Kultur prägt – positiv wie negativ
- Wir schaffen Klarheit und Orientierung für den Führungsalltag
- Wir begleiten Führungskräfte dabei, Haltung in Verhalten zu übersetzen
So entsteht Kultur nicht als Konzept, sondern als Ergebnis guter Führung – spürbar im Alltag, wirksam für Gesundheit und Leistung.
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